Es ist ein lauer Frühlingssonntag – die Sonne scheint und der Wind rauscht durch die frisch begrünten Bäume und Sträucher. In den Baumkronen hinter der großen, lichtdurchfluteten Fensterfront unserer Kirche springen zwei junge Eichhörnchen sportlich von einem Ast zum nächsten, während Buntspechte, Ringeltauben und Meisen die warmen Sonnenstrahlen genießen.
Der offene Blick ins Grüne war sicherlich nicht zufällig gewählt, als unser heutiges Kirchengebäude in den 1960er Jahren wieder auf- und umgebaut wurde. Licht, Offenheit und die Natur als Teil der Schöpfung – vielleicht wird gerade hier sichtbar, was diesen Ort ausmacht. Unser Kirchenhaus steht nicht für sich allein. Es lebt im Zusammenspiel mit dem, was es umgibt.
In einer lebendigen und lauten Stadt sind viele Menschen auf der Suche nach dem Fleckchen Grün – einem ruhigen Ort, an dem der Lärm der Welt für einen Augenblick stiller wird, ein Ort, an dem man einfach sein kann, um die Natur mit all ihren Farben, Klängen und Besonderheiten zu erleben. Wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass Natur und der Zugang zu Grünflächen das Wohlbefinden fördern können. Dabei können Stress und Anspannung nachlassen und das Nervensystem zur Ruhe kommen.
Der Park und Garten des St. Michaels-Heims stellt solch einen Ort dar. Familien, Kinder, Seniorinnen und Senioren sowie zahlreiche Gäste des Hauses nutzen den Park, um sich zu entspannen, sich zu begegnen oder einfach spazieren zu gehen. Auch ist die Parkanlage ein wertvoller Lebens- und Schutzraum für viele Tierarten und Insekten inmitten der Großstadt. Über 23.000 m² groß ist das Gelände des St. Michaels-Heims. Das entspricht einer Fläche von etwa drei Fußballfeldern. Auf dieser Fläche befindet sich neben vielen sozialen und gesundheitlichen Einrichtungen das im englischen Landhausstil erbaute Palais. Umrahmt wird das Kirchengebäude von einer weitläufigen Parkanlage, die einen wichtigen und bleibenden Eindruck hinterlässt.
Gepflegte Beete, Sträucher und Wiesen sowie saubere und sichere Wege – so kennen wir unseren Kirchenpark. Doch haben wir uns schon einmal Gedanken darüber gemacht, wer sich eigentlich um diesen wichtigen Teil des Geländes kümmert? Henri arbeitet schon seit knapp einem Jahrzehnt hier im Außenbereich. Als freundlich, zuverlässig und vor allem wetterfest könnte man ihn beschreiben.
Wir möchten ihn und seine Arbeit euch vorstellen und haben ihm dazu ein paar Fragen gestellt:
Hallo Henri, schön, dass wir dir heute ein paar Fragen stellen dürfen. Stell dich und deinen Arbeitsbereich doch gerne einmal vor.
Ich bin Henri und seit knapp 10 Jahren hier auf dem Gelände im Außenbereich tätig. Gelernt habe ich Garten- und Landschaftsbauer, hier übernehme ich aber eher Aufgaben des technischen Mitarbeiters im Außenbereich – den Spitznamen Mädchen für alles gab mir z.B. ein Mitarbeiter aus der Rezeption (Henri schmunzelt).
Ich führe hier auf dem Gelände Sichtkontrollen durch und schaue z. B., ob irgendetwas kaputt ist. Auch kümmere ich mich um den Müll und natürlich um Gartenarbeiten. Im Winter kontrolliere ich z. B. auch den Winterdienst. Oft wurden die Wege zu schmal geräumt, sodass ich sie dann später noch breiter machen musste. Das war im vergangenen Winter der Fall. Also übernehme ich auch notwenige Aufgaben, die sonst eigentlich ein Abteilungsleiter machen würde.
Das klingt nach sehr viel Verantwortung und Arbeit. Wie groß ist denn euer Team hier und wie teilt ihr euch für so eine große Gartenfläche auf?
Auf dem Zettel stehen wir noch zu zweit, aber in Wirklichkeit bin ich aktuell allein. Ich habe zwar auch Ehrenamtliche, die ab und an mithelfen und mich unterstützen, aber seit knapp zehn Monaten bin ich der einzige Gärtner hier. Wenn ich sage, dass ich für bestimmte Aufgaben dringend Unterstützung brauche, bekomme ich vom Hausmeister-Team Hilfe. Arbeiten wie Baumstämme heben oder sie zur Seite schieben, Splitt oder Material vom Auto abladen ist allein einfach nicht zu schaffen – da bin ich sehr froh, wenn mir die Hausmeister dabei unter die Arme greifen.
Wie sieht ein normaler Tag im Sommer bei dir aus?
Im Sommer fange ich um 4 Uhr morgens an, stelle die ersten Wasserhähne an und mache dann meine Müllrunde. Danach stelle ich meistens die Sprenger auf und kontrolliere die Wege auf Unrat und Laub. Beginnen tue ich bei der Arztpraxis und Gedenkstätte, der Kita und am Haupteingang. Danach arbeite ich mich in Richtung Kellereingang bei der Sozialstation, dem Rudolph-Mendel-Haus und dem Hofladen vor. Die restlichen Wege werden danach angeschaut. Ansonsten stehen immer wieder Arbeiten wie Hecken schneiden an, um die Wegfreiheit zu gewährleisten, und Rasenmähen. Zwischen 14 und 15 Uhr habe ich dann Feierabend, aber montags gehe ich meistens schon um 13 Uhr nach Hause.
Wie geht’s den Bäumen im Garten?
Das kann ich nicht genau sagen, aber manche Bäume im Park sind leider nicht gesund. Einige Buchen stehen z. B. unter Beobachtung hier. Wir haben auch sehr alte Bäume, die vielleicht noch etwa 10–15 Jahre durchhalten.
Und wie geht’s dem Boden?
In Berlin haben wir leider durch den Krieg noch Müll im Boden. Das ist für die Pflanzenwelt nicht ideal. Dazu kommen versiegelte Flächen, auf denen dann natürlich nichts wachsen kann.
Du hast vorhin erwähnt, dass du ehrenamtliche Helferinnen und Helfer hast. Wer unterstützt dich da im Garten?
Rosi und Michi kommen regelmäßig her. Rosi hat ihren eigenen Bereich und kümmert sich um die Kübelpflanzen, und Michi unterstützt mich bei der Beetpflege an drei Flächen: dem Ärztebeet, dem Beet vor dem Pförtnerhaus und dem Dreieckbeet am Parkplatz. Ich räume danach dann nur das Material weg, wenn sie fertig sind. Dann gibt es noch das ehrenamtliche Gartenteam, das sich um das Heilkräuterbeet vor der Arztpraxis kümmert. Ute, Petra, Mattscher und Ulli treffen sich dort regelmäßig, um das Beet zu pflegen, es zu gestalten und neue Heilkräuter einzupflanzen.
Erzähl uns ein lustiges Erlebnis im Garten.
Letztes gab es eine lustige Situation mit Olli und seinen Kollegen (Henri grinst). Als sie hier waren, stellten sie nämlich fest, dass sie kein Kletterseil dabeihatten. Das fand ich sehr lustig, da sie sich so sicher waren, es eingepackt zu haben. Olli musste dann nochmal zur Firma zurückfahren und hat es geholt.
Was für eine Arbeit macht dir am meisten Spaß?
Löcher graben – das macht mir auf jeden Fall immer sehr viel Spaß. Das fällt zurzeit leider nicht so häufig an. Wenn man allein ist, kann man nicht nur Löcher graben. Vor ein paar Jahren z.B. habe ich zusammen mit den Hausmeistern hier die neue Hauptwasserleitung für das Haus gegraben. Und für den Blitzableiter am Haupthaus mussten natürlich auch Löcher gegraben werden.
Und was strengt dich hier im Garten am meisten an?
Bei Arbeitseinsätzen die Leute anleiten und vor Gruppen sprechen, das strengt mich sehr an. Auch das Entfernen von Feinunkraut und Wildwuchs nimmt viel Zeit in Anspruch, genauso wie die Pflege der Pflanzen im Kirchengebäude.
Was ist deine Lieblingsjahreszeit? Und wieso?
(Henri lacht) Der Winter! Da ist es nicht so warm und man kann vernünftig arbeiten. Ich trage auch im Winter T-Shirt und kurze Hose, aber unter 5 Grad ziehe ich dann doch etwas mehr an.
Bei welcher Tätigkeit bist du an deine Grenzen gekommen?
Nach dem Laubeinsatz im Herbst, weil man da immer Rücksprache halten muss und ich das Material dann noch anschließend in die Friedensstadt fahre. Hier habe ich keinen Platz, um die Masse zu kompostieren. Ich schaffe es leider auch nicht, den Kompost allein im Park zu verteilen. Das ist einfach zu viel Arbeit für eine Person.
Wir haben hier ja einen Haselnussbaum auf dem Gelände: Angenommen du findest die drei Haselnüsse für Henri – welche drei Wünsche hättest du bezogen auf deine Arbeit und den Garten hier?
Mein erster Wunsch wäre es, hier Schafe zu halten – als natürliche Rasenmäher und Düngerlieferanten. Mein zweiter Wunsch: einen essbaren Park. Und zuletzt würde ich mir 4–5 Kollegen und viele helfende Hände wünschen.
Wie kann man mithelfen?
Wenn Leute mithelfen wollen, können sie sich die Arbeitseinsätze gerne selbst organisieren. Im Gärtnerhaus gibt es eine Magnetwand mit angepinnten Aufgaben, die übernommen werden können. Geplant ist, dass sich Ehrenamtliche nach vorheriger Absprache mit mir einen Schlüssel aus der Rezeption holen können, um Aufgaben zu übernehmen. Da muss ich aber noch einmal Rücksprache halten, ob das so möglich ist.
Wenn du einen Tag lang ein Tier im Garten sein könntest – welches wärst du?
Der Waschbär! Der kann klettern und von oben runterschauen. Hier gibt es einen Waschbären? Ja, ich habe ihn schon zwei Mal gesehen.
Welche Tiere begegnen dir denn zurzeit oft auf dem Gelände?
Ich sehe hier sehr häufig Füchse, Amseln, Buntspechte, Rotkehlchen und Meisen sowie Eichhörnchen und Mäuse. Früh morgens sehe und höre ich auch oft einen Uhu hier im Park. Vom Herthasee kommen regelmäßig Schwäne und Enten auf das Gelände und im vergangenen Jahr waren in der Saison auch Laubfrösche, Libellen, Schmetterlinge und verschiedene Wildbienenarten unterwegs. Aber auch die weniger beliebten Tiere, wie Ratten und Krähen, sieht man hier oft. Ansonsten besuchen mich immer wieder die Nachbarskatzen bei der Arbeit.
Und nun noch eine Frage für die jüngere Leserschaft: Wenn du bei One Piece eine Teufelsfrucht essen könntest, welche wäre das?
Ich würde die Weg-Weg-Frucht essen, weil ich dann einfach verschwinden könnte. Ich wäre da, aber niemand kann mich sehen.
Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast und uns einen kleinen Einblick in deine Arbeit gegeben hast.
Sehr gerne.
Henri ist jemand, der den Park kennt wie seine Westentasche – jeden Weg, jedes Beet, jede Ecke. Vieles, was wir und unsere Besucherinnen und Besucher als selbstverständlich wahrnehmen, ist das Ergebnis seiner täglichen Arbeit. Dabei bleibt er selbst bescheiden im Hintergrund. Doch genau diese ruhige, verlässliche Art prägt den Charakter des gesamten Parks.
Nehmen wir ihn nicht als selbstverständlich. Lasst uns ihn pflegen, bewahren und mitgestalten, damit er uns und den Generationen danach die Freude und Erholung bereiten kann, die wir heute erleben – getragen von Wertschätzung und vielen helfenden Händen.